Tag 3 – Do, 14.01.21

Tag 3 – Do, 14.01.21

Ich stehe um 08:45 Uhr auf und will unter die Dusche springen. Tochter kommt zum Kuscheln ins Bad. Das ist jetzt echt wichtiger.

Um 09:15 Uhr steht der Haferflockenbrei auf dem Tisch, Tochter und ich diskutieren schon wieder seit 10 Minuten, dass sie lieber malen möchte als gleich Matheunterricht. Okee, sie diskutiert, ich versuche nach 1-2 klaren Ansagen auf Durchzug zu schalten und freundlich zu bleiben.

Tochter und ich sind pünktlich zum Mathe-Call um 09:45 unten, sie jammert immer lauter, dass sie jetzt keine Schule machen will. Ich gebe einen lauten Brüll „Du HAST JETZT Schule!“.
Sie guckt mich an, ich merke, dass es in ihr arbeitet und sie sich an unsere Gespräche von gestern erinnert. ZACK! endlich Ruhe.

Ich entscheide, dass sie heute früher ins Bett gehen und wir alle zusammen früher aufstehen, damit sie in Ruhe wach werden können…

Während Tochter ihren Call hat, suche ich das iPad vom Ehemann, Sohn hat gleich auch Mathe Onlineunterricht. Schnell noch auf dem iPad das Padlet einrichten. Hmmm… Wo soll er sitzen? Wegen Datenschutz darf ja keiner im Raum sein… Oben in der Küche!
Auf dem iPad funktioniert MS Teams nicht. Nur noch 5 Minuten bis zu seinem Call. Dann halt auf meinem Laptop und ich gehe raus.

Das Telefon der Firma klingelt. Eine Kunde ruft an, erzählt mir, dass er vor zwei Tagen schon mit meinem Sohn gesprochen hätte („What? Reminder an mich selbst: den Kindern erklären, dass sie auf gar keinen Fall an den Firmenanschluss gehen!“), er möchte nochmal 20 Bücher bestellen, online funktioniere es nicht. Ich entschuldige mich erst einmal und erkläre, dass wir im Homeoffice-Schooling sind. Er lacht, hat vollstes Verständnis. Uff, zum Glück!

Während ich mit ihm telefoniere und die Bestellung kläre, helfe ich Tochter, die mal wieder irgendwo dran gekommen ist und auf dem Bildschirm nichts mehr sieht und richte den Call für Sohn auf meinem Laptop ein. Der Kunde bedankt sich, Sohn startet seinen Call und ich stehe in der Küche.

Habe ich gerade eben echt mit einem Kunden telefoniert, eine Bestellung geklärt und mich gleichzeitig um beide Kinder gekümmert?

Jetzt bin ich arbeitslos. Weil kein Laptop verfügbar.
Dann räume ich halt auf.
Küche fertig, dann fange ich an, den Weihnachtsbaum abzuschmücken. Endlich.
30 Minuten später großes Gemotze von Sohn , warum ich OHNE IHN DEN WEIHNACHTSBAUM ABSCHMÜCKE?!
„Ich hatte nichts zu tun? Da hab ich einfach angefangen. Und mir war nicht bewusst, dass Du gerne helfen möchtest.“
„Du hättest Dich auch einfach ausruhen könne.“
Ich bin ein wenig baff. Auf diese fantastische Idee bin ich tatsächlich nicht gekommen!

Wir arbeiten alle weiter.
Es läuft. Immer mal wieder kurze Zwischenfragen von Tochter, aber ich arbeite!

Sohn ist fast fertig, Tochter macht jetzt Mathe. Das Drama beginnt wieder. Sie kann sich einfach nicht konzentrieren. Weil sie keine Lust auf Mathe hat. Ich kann das voll und ganz verstehen! Aber was soll ich machen?
Die Situation eskaliert mal wieder.

Tochter weint verzweifelt. Sie geht nach oben und rechnet bei Papa in der Küche weiter.

Zwischenzeitlich erkläre ich Sohn, dass er, weil er so schnell in den meisten Fächern ist, froh sein kann, dass er gleich fertig ist. Das manche Klassenkameraden länger („fürdiesenganzenscheiss“ denke ich) brauchen. Das motiviert ihn.

Abschließend soll Sohn noch ein paar Sätze für seinen Ferienbericht schreiben. 2 Seiten mit 2 Sätzen reichen der Lehrerin nicht. Ich denke kurz drüber nach, ob wir es einfach lassen. Dann aber, dass er halt noch 3 Sätze schreiben soll. Ich werde in den nächsten Wochen wahrscheinlich eh kontinuierlich den Stoff reduzieren müssen? Gegen den Willen der Lehrerin? Werde ich dann sehen. Frieden zuhause ist wichtiger.

12:45 Uhr, Sohn geht auch nach oben, ich arbeite.

Eine Stunde später kommt Tochter strahlend runter und erzählt mir von irgendeinem Projekt, dass sie gerade oben machen. Immer wenn Frank mit ihnen was macht, haben sie Spaß. Ich bin froh, dass er ihnen Freude am Lernen vermittelt. Er bekommt es einfach besser hin. Zum Glück.
Ich sitze halt hier und versuche gleichzeitig zu arbeiten. Und bin keine geborene Lehrerin.

Plötzlich fällt mir auf, dass Sohn seinen Online-Deutschunterricht verpennt hat. Ich habe ihn verpennt. Mal wieder schreibe ich eine Email an die Lehrerin und entschuldige mich.

Gegen 15Uhr gehe ich nach oben. Alle drei sind total entspannt und kochen wohl seit zwei Stunden zusammen eine Gemüsesuppe.

Außerdem hat Tochter jeden Monat mit einer großen ZAHL und kleinen Buchstaben auf einen Zettel geschrieben und an die Küchenwand gehängt. Sohn stoppt immer wieder ihre Zeit, ihr Rekord liegt wohl beim Aufsagen der Monate bei 10 Sekunden. Papa spielt, weil sie das so toll macht, die Fanfare „Also sprach Zarathustra„!
Ich hab Tränchen in den Augen.
Diese Fanfare sollte man/frau jedes Mal spielen, wenn man/frau, was Tolles gemacht hat.

Wir gehen dann noch Fahrradfahren (9 km!), kommen total durchgefroren heim, essen abends die Suppe. Boaaa, ist die lecker geworden!
Um 20:30 Uhr sind beide im Bett, zum Glück.

Und der Göttergatte und ich finden mal Zeit füreinander und quatschen fast eine Stunde. Einfach mal in Ruhe. Über das Weltgeschehen (Trump und Corona), über die Kinder und das Homeschooling, über die Arbeit.

Ich gehe früh schlafen.

Weiter zu Tag 4.

Judith

Künstlermanagerin, Lebensgestalterin, Familienmanagerin

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