Tag 88 – Fr, 09.04.21

Tag 88 – Fr, 09.04.21

Ab heute bei uns kein Distanzunterricht mehr.
*okee, ab Montag nicht mehr… 😉

Es ist so.
Wir haben zwar Ferien. Aber wirklich erholen tu ich mich nicht.

Der Gedanke, ab kommenden Montag wieder in den Wechselunterricht zu gehen, wieder jeden zweiten Tag den Stress zuhause, dieses Hin und her in meinem Kopf… dieser Gedanke macht mich fertig.

Da haben wir heute lange drüber diskutiert.
Fazit: ich höre mit dem Distanzunterricht auf.

Ich werde den Kindern die Unterlagen raussuchen/zur Verfügung stellen, ihnen auch gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen, Online-Unterricht machen sie sehr gerne!

Aber ich werde hier gottverdammt nochmal nichts mehr erzwingen.
WEIL ICH NICHT MEHR WILL.

Ich werde nicht mehr 1000x fragen „Hast Du dies gemacht, hast Du das gemacht?“
Ich werde nicht mehr belohnen, drohen, whatever, was mir gerade einfällt, um die Kinder davon zu überzeugen, zuhause Schule zu machen.
Ich möchte nicht mehr den Job der Schule machen.

Warum lassen wir Eltern uns so dermaßen in die Pflicht nehmen?
Warum lassen wir es zu, dass eine Schulpflicht zu einer Zuhause-Schulpflicht mutiert?

Zur Info:
UNSERE Grundschule hat einen verdammt guten Job gemacht und sich letzten Herbst auf GENAU diese Situation vorbereitet. Dabei wurden ALLE Schulen – meiner Meinung nach – von den Schulministerien regelrecht im Stich gelassen. Jede Schule hat sich irgendwas zurechtgestrickt. Wir sind dabei – dank dem Einsatz unserer Schule – sehr gut dabei weggekommen.

Leider bin ICH wirklich ungeeignet für Distanzunterricht.
Wie fast jede Mama. (Jaaaa, auch die Papas… 😉)
Weil wir Mamas sind!
Und NICHT der verlängerte Arm der Schule.
Wir sind keine LehrerInnen.
(Und glaubt mir, MICH will keiner als Lehrerin.)

Und ja, ich schreibe „Ich“ und nicht „Wir“, wenn es um den Distanzunterricht bei uns zuhause geht.
Weil ICH diejenige bin, die den Hauptteil am Distanzunterricht übernimmt.
Weil mein Mann noch (bzw. wieder) ein funktionierendes Business hat und unsere Brötchen verdient. Weil ich seit letztem März mit meiner Künstleragentur quasi arbeitslos bin und mehr Zeit zur Verfügung habe als mein Mann.

Und nein, ich habe keine allgemeine Corona-Lösung.
Ich kann nur für mich sprechen. 
Ich bin einfach der Meinung, dass beim Thema Schule in den letzten Monaten echt viel NICHT gemacht wurde.

Einfach aus Präsenzunterricht Distanzunterricht zu machen und die komplette Last auf die Eltern (und auch auf die Schulen!) abzuwälzen, das reicht halt nicht.

Und während ich diese Zeilen schreibe, poppen bei mir die Nachrichten auf dem Handy auf, dass NRW ab nächste Woche wieder komplett in den Distanzunterricht gehen wird.
Befristet für eine Woche…
*müdes lächeln

Und ja, das ist alles jammern auf hohem Niveau!
Aber nur weil ich glücklich verheiratet bin (vs. alleinerziehend), zwei tolle Kinder habe, die sich sehr gut verstehen (vs. Einzelkind), ich nur noch wenig Arbeit habe (vs. Vollzeit-Arbeit) und weil wir es finanziell hinbekommen (vs. Existenzängste), heißt das noch lange nicht, dass ich deswegen geheime Superkräfte habe…
Wenn ICH (mit der oben beschrieben guten Ausgangslage) doch schon an meine Kapazitätsgrenze komme, wie sieht es dann bei anderen Familien/Alleinerziehenden aus?!

Leute, lasst uns aufhören mit diesem Distanzunterricht-Mist.
Dann holen wir das halt im nächsten Jahr nach. Und kürzen den Stoff.
Und lassen unsere Kinder endlich mit dem Scheiß in Ruhe.

Ich schlaf da jetzt nochmal ne Nacht drüber. Und guck, ob ich das morgen auch noch alles so sehe.
(08.04.21, 22:00 Uhr)

Moin!
Bin immer noch derselben Meinung. 😉
Freue mich über konstruktive Rückmeldungen.

P.S.: Ich schreibe sehr bewusst „Distanzunterricht“ und nicht „Homeschooling“. Das ist nämlich ein großer Unterschied, dazu hier mehr.

Weiter zu Tag 89.

Judith

Künstlermanagerin, Lebensgestalterin, Familienmanagerin

6 Comments

  1. Hey Judith,
    ich hab mich irgendwann Ende Februar geweigert diese Pflichtübertragung zu erfüllen. Mit Kind besprochen, Lehrerin per Mail informiert. Fertig. Emma, 1. Klasse, macht seitdem was sie von allein macht und lässt was sie lässt.
    (Sidekick: abermengen von Kopiervorlagen sind öde und sinnfrei)
    Wir kniffeln wie die Weltmeister und lesen viel vor.
    Seit Wechselunterricht geht es besser, diese Zeitspannen kann Emmas Motivation und Zeitgefühl überbrücken. Und weiterhin gilt: zuhause nur das, was sie will. Ich zwinge nicht mehr. Versuche nicht mehr beizubringen.

    Wir waren beide einfach mittendrin im Nervenzusammenbruch, so viel Tränen, Wut und Selbstzerfleischung.
    Das ist es nicht wert, dies System, das Kinder und Schule nur im Hinblick auf Leistung reflektiert und der Illusion unterliegt, dass zwar nicht ist, wie es war, aber trotzdem am Ende des Jahres das gleiche raus kommen soll.

    Seit dieser Entscheidung geht es stetig aufwärts, selbst im nicht-enden-wollenden-Lockdown-mit-Schnee-im-April.

    Drück Dich,
    Christina
    (Kur 2017😊)

    • Hallo meine Liebe, ich hatte mir das ja schon mal vorgenommen, mich dann aber doch wieder „vereinahmen“ lassen. Damit höre ich jetzt auf. Danke für die Bestätigung, dass das der richtige Weg ist! GlG, Judith :-*

  2. Hallo Judith,
    der Lehrer der Gesamtschule meines Grossen, meinte letztes Jahr im ersten Lockdown zu mir: „Frau N. Ich bin dazu da ihren Sohn zu beschulen, nicht Sie! Ich muss ihm in den Arsch treten, wenn er seine Aufgaben nicht macht, nicht Sie!“
    Seit ich das beherzigen, läuft der Distanzunterricht bei uns super!

    Gutes Gelingen für euch.
    Gruss von „gegenüber“
    Rike

    • Juhu Rike!
      Da hat der Lehrer recht. Und ist ein Beispiel dafür, dass es in diesem Land viele tolle Lehrer gibt!
      Und trotzdem bekomm er nicht das Gemotze zuhause ab. Die schlechte Stimmung.
      *seufz
      Hoffen wir, dass der Spuk irgendwann rum ist und wir uns alle normal wiedersehen können.
      Tochter vermisst ihre Kita-Freundinnen und euch… („Ich weiß gar nicht mehr, wie meine Erzieherinnen heißen, buäääh!“)
      LG, Judith

  3. Hallo Judith, super Ansatz. So habe ich darüber noch gar nicht nachgedacht. Leo geht in die Notbetreuung. Da findet zwar kein Unterricht statt, aber die Aufgaben werden (ohne Motzerei, Wut und Tränen) gemacht und es findet eine Betreuung statt. Den Sinn dahinter, dass Kinder im Lockdown/Distanzunterricht in die Schule gehen können, habe ich im Hinblick auf die Bekämpfung der Pandemie zwar nicht verstanden. Aber mir soll’s recht sein.
    Viele Grüße
    Susann

    • Liebe Susann, huch, Dein Kommentar iss mir durchgegangen. %-)
      Die Notbetreuung kommt für uns leider nicht in Frage, weil wir sie
      a) nicht zwingend brauchen und
      b) wir die Kinder nicht so lange in der Schule unter den Corona-Bedingungen lassen möchten.
      Der Ansatz „Nein zum Distanzunterricht“ funktioniert mal besser, mal schlechter. Je nach Tagesform. Von uns allen. 😉
      LG, Judith

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